Was deine Hauptfigur wirklich braucht
Need vs. Want, was eine Figur dreidimensional macht.
Lesen9. September 2021 · ca. 6 Min. Lesezeit · von Carolyn Pini
Menschen lieben Geschichten. Aber nur, wenn sie Sog haben. Es gibt im Kern nur eine Geschichte, die uns wirklich interessiert: Eine Person, die wir mögen, hat ein Problem, und findet einen ungewöhnlichen Weg, es zu lösen.
Leserinnen müssen sich mit deiner Hauptfigur identifizieren können. Sie erlebt die Geschichte stellvertretend für uns. Wenn wir sie nicht mögen, oder ihr gleichgültig gegenüberstehen, legt die Leserin das Buch nach 30 Seiten weg.
In der Unendlichen Geschichte von Michael Ende sind zwei Identifikationsfiguren da: Bastian als Underdog, mit dem wir uns leicht identifizieren. Und Atreju, dem wir zujubeln, weil er mutiger ist, als wir es uns zugetrauen würden. Beide öffnen der Leserin eine Tür.
Das Ziel muss sich wichtig anfühlen, lebensnotwendig im weitesten Sinn. Leserinnen müssen verstehen, warum die Hauptfigur alle Probleme auf diesem Weg auf sich nimmt.
Ein Ziel wie „glücklich werden" trägt nicht. Ein Ziel wie „ihre Tochter wiedersehen, bevor sie stirbt" trägt. Je konkreter, je existenzieller, desto stärker.
Das Problem selbst sollte die Leserin sofort verstehen. Je einfacher das Problem verständlich ist, desto mehr Platz hat deine Lösung, zu überraschen.
Alfred Hitchcock hat es auf den Punkt gebracht: „Verwirrung ist nicht gleich Spannung." Spannung entsteht nicht, wenn die Leserin das Problem nicht versteht. Sie entsteht, wenn sie das Problem versteht, und sich fragt, wie die Heldin es um Himmels Willen lösen will.
Die kreative Lösung ist das, was bleibt. Die Leserin nimmt sie sogar für ihr eigenes Leben mit.
Kein Langatmigkeit. Komm zügig zum Problem. Dann: Schlag auf Schlag Hindernisse. Konflikte machen den Weg zum Ziel spannend.
Die Frage, die die Leserin in Atem hält, ist eine einzige: Wird sie es schaffen? Diese Frage musst du in jedem Kapitel neu aktivieren.
Faustregel: Jedes Kapitel legt ein neues Hindernis drauf. Nicht als dumpfer Eskalation, sondern so, dass die Hindernisse miteinander zu tun haben, jedes eins nährt das nächste.
Das ist der häufigste Stolperstein bei Erstbüchern. Die Heldin tut plötzlich etwas, was nicht zu ihr passt, weil die Autorin eine bestimmte Szene braucht. Die Leserin merkt das sofort. Das Buch klappt zu.
Umgekehrt: Wenn deine Figuren glaubwürdig handeln, auch in den schwierigen Momenten, auch wenn die Entscheidung sie Kraft kostet, bleibt die Leserin. Authentisches Handeln ist die Grundlage jeder Spannung.
Diese fünf Punkte sind kein Rezept, das garantiert funktioniert. Sie sind eher ein Check. Wenn du sie auf dein Manuskript legst und merkst „Punkt 4 fehlt", weisst du, wo du ansetzen musst.
Und: Sie hängen zusammen. Wer Tipp 1 löst (eine Figur, die wir mögen), hat schon einen Hebel für Tipp 2 und 5. Fang also oben an, und arbeite dich nach unten.
Die Methode, die alle fünf Punkte zusammenzieht
Wer will was? Was steht im Weg? Was ändert sich? Drei Fragen, die jede Szene tragen.