Handwerk

Wie schreibe ich eine gute Geschichte?

27. Januar 2021 · ca. 4 Min. Lesezeit · von Carolyn Pini

Still-Life mit Plot-Landkarte, Notizbuch und Füllfeder

Eine gute Geschichte nimmt die Leserin mit auf eine Reise. Sie erzeugt Kopfkino. Sie bringt dich dazu, weiterzulesen, nicht, weil du musst, sondern weil du willst. Was solche Geschichten von anderen unterscheidet, lässt sich überraschend klar benennen.

Vier Kriterien, die fast alle guten Geschichten teilen

  1. Eine fesselnde Protagonistin, die etwas Aussergewöhnliches erlebt.
  2. Ein Problem, das sie lösen muss, oder an dem sie scheitert.
  3. Eine ungewöhnliche Problemlösungsmethode.
  4. Ein befriedigendes Ende, nicht zwingend ein glückliches, aber ein stimmiges.

Die wichtigste Erkenntnis

Nicht das spannende Problem macht die Geschichte gut. Die Art, wie mit dem Problem umgegangen wird, macht sie gut.

Das klingt abstrakt, ist aber praktisch sehr konkret. Denk an „Hänsel und Gretel", das Problem ist: Hexe. Allein das reicht nicht. Was die Geschichte macht, ist, wie die Kinder überleben. Hänsel streckt einen Knochen statt eines Fingers raus. Gretel stösst die Hexe in den Ofen. Das ist die Lösung. Das merken wir uns.

Oder „Aschenputtel". Das Problem: böse Stiefmutter, keine Einladung zum Ball. Die Lösung: Tauben und Kürbis und ein verlorener Schuh. Nicht das Problem, die Antwort darauf macht die Geschichte unvergesslich.

Oder Harry Potter. Das Problem: böser Zauberer will die Welt erobern. Das allein ist Standard. Was die Geschichte trägt, ist, wie Harry, Hermine und Ron das Problem angehen, mit Freundschaft, Mut und manchmal einfach mit Glück.

Warum Alltagshandlungen nicht tragen

Wenn deine Heldin ihre Tage so verbringt, wie die meisten Menschen ihre Tage verbringen, bleibt die Leserin aus. Sie liest nicht Bücher, um zu sehen, wie jemand zur Arbeit fährt. Sie liest Bücher, um zu sehen, wie jemand etwas tut, was sie selbst nicht machen würde, oder nicht machen könnte.

Das heisst nicht: Dein Buch muss abenteuerlich sein. Auch der leiseste Familienroman kann tragen, wenn die Figuren Entscheidungen treffen, die ungewöhnlich sind. Eine Mutter, die ihr Kind zur Adoption freigibt. Eine Tochter, die ihrem Vater nach 30 Jahren die Wahrheit sagt. Das ist nicht aussergewöhnlich im Sinn von spektakulär. Aber es ist aussergewöhnlich im Sinn von: Die meisten würden es nicht tun.

Was du als Autorin tun kannst

Nimm dein Manuskript. Geh jedes Kapitel durch und frag dich:

Wenn du merkst, dass deine Lösungen oft „die erste, die mir einfällt" sind, hast du die Stelle gefunden, an der du mehr geben kannst. Die zweite oder dritte Idee ist meistens die interessantere.

Gemeinsam am Manuskript arbeiten

Vielleicht ist die 3Takt-Begleitung das Richtige.

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