Nathalies Weg: wie aus einer schwammigen Idee ein Buch wurde
Eine echte Kundin, ein echtes Buch, knapp zwei Jahre von der Idee bis zum Verlag.
LesenAndreas Weg: wie sie den inneren Kritikern das Mikrofon abnahm und mit Amina und Emilia die ersten drei Szenen ihres neuen Romans schrieb.
ca. 6 Min. Lesezeit · von Carolyn Pini
Andrea kam 2022 zu mir, nicht als Anfängerin. Sie hatte bereits erste Versuche unternommen, eine längere Geschichte zu schreiben. Und trotzdem hatte sie das Gefühl, dass ihr etwas fehlt: das Handwerkszeug. Die Werkzeuge, mit denen man einen Roman plant, nicht nur schreibt. Einen roten Faden findet. Sich weniger verliert. Und, vielleicht am wichtigsten: die Stimmen in ihrem Kopf überstimmt, die immer wieder dazwischenredeten.
Andrea suchte ursprünglich einen Online-Schreibkurs. Sie wollte den theoretischen Background, das Handwerk, die Struktur, mit der ein Roman gebaut wird, damit er trägt. Dazu Schreibübungen, zu denen sie Rückmeldung bekommt, um ihren Stil zu entwickeln.
Das war klar umrissen. Aber unter dieser sachlichen Liste lag etwas anderes, eine Unsicherheit, die sie im eigenen Schreibprozess immer wieder ausbremste.
Andrea war offen damit. Sie sagte zu Beginn, ganz direkt:
„Mir stehen immer wieder meine eigenen Gedanken im Weg. ‚Du kannst ja gar nicht schreiben.' ‚Du bist keine Schriftstellerin.' ‚Hör damit auf, das bringt nichts.'"
Das kennen fast alle Dichterinnen. Bei Andrea war es besonders hartnäckig, und das wollte sie nicht wegreden, sondern angehen. Gleichzeitig war ihr wichtig: Kritik war willkommen. Nicht pauschal, sondern konstruktiv, konkret und positiv formuliert. Das war der Boden, auf dem wir arbeiten konnten.
Andrea hatte einen Online-Schreibkurs gesucht. Was sie bekam, war ein individueller 1:1-Schreibkurs, den ich auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten habe. Theorie zum Romanaufbau, kombiniert mit praktischem Schreib-Coaching an ihrem Manuskript. Im Lauf der Zeit hat sich das weiterentwickelt zu einem erweiterten Plot-Sparring-Coaching. In Einzelterminen haben wir zuerst an den Figuren, dann an der groben Struktur und schliesslich an den ersten drei Szenen gearbeitet.
Das ist das Schöne an individueller 1:1-Begleitung: der Rahmen darf sich formen, wie es für die Dichterin passt. Bei Andrea hiess das: mehr Theorie im Hintergrund, dafür viel direktes Arbeiten an ihrem Text.
Die Geschichte, die Andrea angehen wollte, erzählt von einer Frau, die sich an einem Punkt ihres Lebens fragt, wohin es eigentlich geht. Ihre Heldin Amina bricht für ein paar Wochen nach La Gomera auf, auf zu einem Selbstfindungsurlaub, um sich Raum zum Atmen zu geben. Weg vom Alltagsstress, hin zu sich selbst.
In der Zeit unserer Zusammenarbeit hat Andrea die ersten Szenen geschrieben. Amina in ihrem Alltag, dann auf der Reise und ihre Ankunft in La Gomera. Und mit dem Schreiben und Überarbeiten wurde daraus eine sinnlich erfahrbare Welt, in die eine Leserin eintauchen und sich in die Lage von Amina versetzen kann.
Was sich mit meinem spezifischen Feedback sehr schön weiterentwickelt hat, war ihr Schreibstil. Dort fand eine grosse Entwicklung statt. Die Sätze wurden präziser, die Bilder klarer, der Rhythmus trug. Der Anfang von Aminas Geschichte ist vielversprechend, die Szenen sind schön zu lesen, und man will wissen, wie es weitergeht. Das ist genau der Sog, den ein Romananfang schaffen soll.
„Ich kann den Kurs von Carolyn allen Schreibinteressierten, die am Aufbau von Geschichten interessiert sind, wärmstens empfehlen. Carolyn hat extra ihren Schreibkurs auf meine Bedürfnisse adaptiert und den Kurs mit einem Schreibcoaching kombiniert. Dadurch war es mir möglich, den theoretischen Background kennenzulernen und gleichzeitig meinen Schreibstil zu verbessern. Ich habe gelernt, wie ein Roman aufgebaut wird, damit er spannend ist, und wie er noch interessanter gestaltet werden kann.
Carolyn hat mich mit ihrer offenen und wertschätzenden Art sehr inspiriert. Wie eine Geburtshelferin hat sie mir geholfen, die Idee meines Romans auf die Welt zu bringen. Sie hat mir den Mut gegeben, das Abenteuer Schreiben zu wagen, und mich auf einen konstruktiven Weg gebracht. Über Zoom war es mir möglich, die Termine von zu Hause aus zu planen, was sehr praktisch war."
„Geburtshelferin" ist ein Wort, das mir nahegeht. Genau so fühlt sich meine Arbeit für mich auch an: nicht schreiben für meine Dichterinnen, sondern schreiben mit ihnen, neben ihnen, bis das, was in ihnen ist, endlich ausserhalb ist. Dass Andrea das so beschreibt, ist das schönste Feedback, das ich als Coachin bekommen kann.
Andreas Roman ist inzwischen 130 Seiten lang, eine erste Fassung, die jetzt ausgebaut und überarbeitet werden will. Neu kam Andrea die Idee, einen weiteren Erzählstrang einzubauen. Genau das ist der Moment, in dem ein Buch an Dichte gewinnt: nicht am ersten Tag, sondern wenn die erste Fassung die Leerstellen zeigt, die man vorher nicht sehen konnte.
Und vor allem: Bei Andrea selbst hat sich etwas verschoben. Die Stimmen im Kopf sind nicht verschwunden, das sind sie bei kaum einer Dichterin. Aber sie haben nicht mehr das letzte Wort. Andrea schrieb mir kürzlich:
„Die Stimmen werden immer leiser, und ich gewinne immer mehr an Selbstsicherheit."
Getragen wird das von ihrer eigenen, kontinuierlichen Schreibpraxis. Andrea schreibt inzwischen nicht nur am Roman, sondern auch Kurzgeschichten, von denen einige veröffentlicht sind, und sie arbeitet an einem Sachbuch, das sie bald einreichen wird. Zusätzlich ist sie in einer monatlichen Schreibgruppe, in der sie im Austausch steht. Diese Art von leiser, verlässlicher Routine macht oft den Unterschied: zwischen Dichterinnen, die irgendwann aufgeben, und solchen, die schreibend bleiben.
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Wer Andreas Stimme live erleben will: zwei ihrer Kurzgeschichten sind im Online-Magazin Kunst-Kultur-Literatur erschienen.
Wenn dir die Stimmen im Kopf im Weg stehen
Das Plot-Sparring ist für Dichterinnen, die einen konkreten Schritt weiter wollen, Struktur, Feedback, ein klarer nächster Weg. Auch die 3Takt-Begleitung ist ein guter Rahmen, wenn du tiefer in Handwerk und Coaching gleichzeitig eintauchen willst.
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LesenEine Kurzgeschichte, eine Sparring-Session, und ein Artikel im Küsnachter, der am Ende alles zusammenfasste.
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