Dichterinnen im Dichterinnenland

Die Würfel sind gefallen, Anitas Platz eins im Schreibwettbewerb

Eine Kurzgeschichte, eine Sparring-Session, und ein Artikel im Küsnachter, der am Ende alles zusammenfasste.

ca. 5 Min. Lesezeit · von Carolyn Pini

Anita

Anita war 2020 schon zweimal bei mir gewesen, bevor wir zum dritten Mal zusammenkamen. Im Frühling hatte sie meinen Kurs Kreatives Schreiben absolviert, im Juli folgte der Online-Kurs Geschichten schreiben (so hiess die Plot-Werkstatt damals noch). Im Herbst kam sie mit einer konkreten Aufgabe zu mir zurück: Sie hatte eine Kurzgeschichte für einen Schreibwettbewerb geschrieben, „Wo die Türe offen steht", und wollte wissen, ob sie wirklich trägt.

Eine Sparring-Session, bevor es das Format gab

Anita brachte mir die Geschichte. Ich las. Wir besprachen. Es war, in heutiger Sprache, ein Plot-Sparring: eine einzelne, fokussierte Session zu einer konkreten Geschichte, mit dem Ziel, sie besser zu machen, nicht grundsätzlich umzudenken. Damals hatte ich dafür noch keinen Produktnamen. Wir haben es einfach gemacht.

Was ich an Wo die Türe offen steht mochte: Sie hatte ein klares Herzstück, Anita wusste, was sie sagen wollte. Was sie brauchte, war Feedback zu Struktur, Rhythmus und kleinen Stellen, an denen die Geschichte ins Schwimmen kam. Das ist klassische Kurzgeschichten-Arbeit, weniger umbauen, mehr zurechtschleifen.

Anitas erste Nachricht nach der Session

„Auch Dir sehr herzlichen Dank für die coole Zusammenarbeit und Deine Unterstützung. Sehr gerne schicke ich Dir den Link, wenn es so weit ist, bzw. wenn es überhaupt dazu kommt :))"

Dieser Nachsatz, „wenn es überhaupt dazu kommt", ist mir in Erinnerung geblieben. Er zeigt etwas, das ich bei vielen meiner Dichterinnen sehe: einen leisen Zweifel, ob das, was sie tun, wirklich zählt. Anitas Zweifel hatte ein konkretes Datum, die Jury-Entscheidung des Wettbewerbs.

Auch ich zweifle, wenn ich mich irgendwo bewerbe. Und freue mich dann jedes Mal, wenn eine meiner Kurzgeschichten in einer Anthologie aufgenommen wird. Dieser Zweifel ist kein Zeichen, dass du schwach bist. Er ist ein Zeichen, dass es dir wichtig ist.

Anitas „Zehn Daumen hoch"

Einige Zeit nach der Sparring-Session schickte mir Anita eine ausführliche Rückmeldung zu ihrem Weg im Basiskurs Geschichten schreiben und zur Zusammenarbeit als Schreibcoach danach. Ich teile sie hier in voller Länge, weil sie besser erzählt, was passiert, als ich es könnte:

Zehn Daumen hoch.

Dichterinnenland.ch möchte ich all jenen Frauen ans Herz legen, die schon immer davon geträumt haben, das, was sie bewegt oder zu sagen haben, aufzuschreiben und, im besten Fall, einem Leserpublikum zugänglich zu machen. Im Basiskurs ‚Geschichten schreiben' erkannte ich, dass ich eigentlich schon vieles mitbringe, was es zum Schreiben braucht. Es fehlte bloss die Initialzündung und wohl auch der Mut. Die praxisorientierten Übungen und kreativen Techniken waren ein starker Motor. Sie haben bei mir einen fulminanten Prozess in Gang gesetzt, so dass ich jetzt frisch von der Leber weg meine Schreibprojekte anpacke. Carolyn hielt als Dozentin den Zündschlüssel in der Hand, der mein kreatives Schaffen in Gang setzte und bis heute nachhaltig in Schwung hält.

Im Laufe des Basiskurses bot ich zwei Zeitungen meine Texte an, und beide wurden publiziert. Nichts lag näher, als weiterhin mit Carolyn zusammenzuarbeiten. Als Schreibcoach ist sie die Inspiration schlechthin. Sie hält mir den Spiegel vor. Sie unterstützt mich dabei, meine Arbeit laufend zu hinterfragen und zu überprüfen, und sie liefert wertvolle Inputs mit dem Resultat, dass ich dranbleibe und feile, und zwar so lange, bis die Geschichte sitzt. Carolyn ist ein motivierender Sparringpartner. Sie spult nicht irgendein Programm ab, sondern sie geht individuell auf mich und meine Art zu arbeiten ein, ganz nach dem Motto ‚Es ist deine Geschichte'.

Die Kurse auf Dichterinnenland.ch finden online via Zoom statt. Das hat sich für mich mehr als bewährt. Zoom ist als Meeting-Tool einfach nur einfach und mehr als praktisch. Man spart sich lange Anfahrtswege und arbeitet bequem von zuhause aus. Zoom hat meine Vorstellungen von Kursbesuchen radikal verändert.

‚Zwei Daumen hoch' für ‚Geschichten schreiben', für Carolyn als Kursleiterin und Schreibcoach. ‚Zwei Daumen hoch' auch für Zoom.
Und wenn ich zehn Daumen hätte, wären es ‚Zehn Daumen hoch'.

Anita"

Dieser Satz, „im Laufe des Basiskurses bot ich zwei Zeitungen meine Texte an, und beide wurden publiziert", ist für mich der stille Höhepunkt ihrer Rückmeldung. Das ist nicht Theorie, das ist sofortige Anwendung, mitten im Kurs.

Dezember 2020, die Nachricht

Dann kam, Wochen später, im Dezember, eine Mail, über die ich mich sehr freute:

Alea iacta sunt. Oder eben: Die Würfel sind gefallen. In der Beilage sende ich dir den Artikel aus dem heutigen Küsnachter.

Es hat tatsächlich gereicht für den ersten Platz 🧐

Nochmals vielen Dank für deine Unterstützung."

Erster Platz. Gedruckt im Küsnachter. Genau die Geschichte, von der sie im September noch gefragt hatte, ob „es überhaupt dazu kommt".

Was mich an Anitas Weg freut

Drei Dinge, die sich für mich in ihrer Geschichte zeigen:

Eine Geschichte, ein Blick von aussen

Manchmal reicht ein Sparring, um über die Ziellinie zu kommen.

Im Plot-Sparring bringst du deine Idee, deine Kurzgeschichte, dein Manuskript-Stück. In 90 Minuten hast du konkretes Feedback und drei nächste Schritte. Anitas Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie viel ein einzelner Blick von aussen bewegen kann.

Weiter lesen

Andere Geschichten aus dem Dichterinnenland

Dichterinnen im Dichterinnenland

Andreas Weg nach La Gomera

Wie Andrea die inneren Kritiker überstimmte und mit Amina und Emilia die ersten drei Szenen ihres Romans schrieb.

Lesen
Dichterinnen im Dichterinnenland

Als das Leben dazwischenkam, Petras Weg

Nicht jede Begleitung endet mit einem Buch in der Hand. Manche endet mit einer Lernerfahrung, die trägt.

Lesen