Aus meiner Werkstatt

Warum ich gerade zwei Bücher gleichzeitig schreibe

Ein ehrlicher Stand der Dinge aus meiner Werkstatt, inklusive der Fragen, die mich bremsen.

Januar 2026 · ca. 5 Min. Lesezeit · von Carolyn Pini

Zwei Manuskripte auf einem warmen Holzschreibtisch, eines aufgeschlagen mit Aquarell-Illustrationen, eines mit handschriftlichen Randnotizen und einem Füllfederhalter, daneben eine dampfende Tasse Tee im warmen Nachmittagslicht.

Manchmal fragen mich Kundinnen: „Und was schreibst du gerade selbst?" Die ehrliche Antwort ist etwas verwirrend: Zwei Dinge. Gleichzeitig. Und jedes aus anderen Gründen.

Hier ist mein aktueller Stand aus der Werkstatt, ohne Marketing-Glanz, mit den Fragen, die mich bremsen, und den Zweifeln, die mich dabei begleiten.

Projekt eins · Das Märchenbuch

Das Märchenbuch ist weit. Die Geschichten sind da. Zuerst war da die Illustration, in Graustufen, mit Bleistift gezeichnet. Die Bilder kamen zuerst, sie haben mich dann zu den Märchen inspiriert.

Und damit kam auch die grosse Format-Frage. Denn eigentlich, eigentlich könnte jede Leserin die Bilder selbst ausmalen. Ein Märchenbuch, das gleichzeitig ein Mitmach-Buch ist. Ein eigen gestaltetes Werk, zum Behalten oder zum Verschenken. Ein Geschenk, das die Beschenkte selbst weiterschreibt.

Nur: Dann müsste es A4 sein. Und die Frage: Will das überhaupt jemand? Oder funktioniert es auch im Taschenbuchformat, mit den Illustrationen als ruhige Begleiter, nicht als Ausmalfläche?

Genau das ist der Grund, warum es seit Monaten in dieser Zwischenphase liegt. Ich kann mich nicht entscheiden.

Wo soll es erscheinen? KDP Amazon, mit voller Kontrolle, aber ohne Verlag-Charme? Bei Rediroma, wo schon Seelen des Orient herauskam, mit einem vertrauten Weg? Oder Tredition, mit einem professionelleren Print-Prozess? Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile. Und ich drehe die Entscheidung seit Wochen hin und her.

Und dann diese zweite Frage: Soll ich es auch auf Englisch herausgeben? Der Markt ist grösser, die Zielgruppe international. Aber eine Übersetzung, die den Ton bewahrt, den ein Märchen braucht: das ist viel Arbeit. Oder brauche ich jemanden, dem ich den Ton anvertrauen kann?

Während ich drehe, kristallisiert sich eine Reihenfolge heraus: Erst noch einmal überarbeiten. Dann über den Verlag entscheiden. Nicht weil die Geschichten schlecht wären. Sondern weil ich sie reifer machen will, bevor sie in die Welt gehen.

Projekt zwei · Die Familien-Saga aus der Provence

Parallel dazu das andere Projekt. Eine Familien-Saga, die in der Provence beginnt, über Paris und Rom führt, rund um Parfüms und eine junge Frau, die sich ihr Imperium erschreibt. Gegen Widrigkeiten, gegen den Tod, mitten durch den Zweiten Weltkrieg. Mit einer wilden Flucht über die Berge zwischen Piemont und der Provence.

Diese Geschichte ist gedraftet. Eine erste komplette Fassung existiert, von Anfang bis Ende. Und dann?

Dann landete sie in der Schublade.

Weil das Märchenbuch da war. Weil Ferien kamen. Weil Weihnachten war. Weil Coachings liefen. Weil die Illustrationen riefen. Das Leben halt.

Als ich das Manuskript vor ein paar Wochen wieder aus der Schublade holte, wusste ich sofort: Das ist Rohfassung. Nicht mehr, nicht weniger. Die Struktur steht. Die Figuren leben. Aber Runde 2 braucht Arbeit, Schärfe an den Szenen, tiefere Figurenmotivation, festere Dramaturgie, besonders im Mittelteil und am Ende.

Ich kenne das Muster. Genau das bespreche ich mit meinen Kundinnen. Und trotzdem geht es mir selbst nicht anders: Eine Rohfassung will ruhen, bevor man sie schärft. Meine hat geruht. Jetzt kommt der Feinschliff.

Die unausgesprochene Frage

Und dann kommt die Frage, die ich mir selbst nicht gerne stelle: Wer wird es lesen?

Ich liebe das Schreiben. Das Suchen, das Finden, das Ringen mit einer Szene, bis sie sitzt. Was ich nicht liebe: Bücher verkaufen. Marketing. „Hallo, mein Buch ist toll, kauft es." Das ist mir fremd.

Gerade darum bin ich so froh über meine Coaching-Arbeit, dort leiste ich etwas, das ich gerne mache: anderen Autorinnen zu ihren Büchern verhelfen. Bei meinen eigenen Büchern aber frage ich mich: Finde ich die Leserinnen, für die das Buch geschrieben ist?

Eine Antwort habe ich nicht. Noch nicht.

Warum ich das hier schreibe

Zwei parallele Bücher sind eigentlich nicht, was ich meinen Kundinnen empfehle. Ich rate ihnen: Fokus. Eines nach dem anderen. Und doch bin ich gerade selbst in dieser Situation, aus einem Mix aus Unsicherheit, Lebensumständen und Parallel-Interessen.

Das ist in Ordnung. Aber es ist langsamer. Und langsam zu sein, darf ich mir erlauben. Du darfst es dir auch.

Was mir dabei hilft: Ehrlich mit mir selbst zu sein. Nicht so tun, als wäre ich die Coachin, die alles perfekt durchzieht. Sondern zu sagen: Hier klemmt es. Hier bin ich am Drehen. Hier liegt es in der Schublade.

Das ist der Prozess, auch meiner.

Was als Nächstes kommt

Für das Märchenbuch: Die Überarbeitungsrunde. Ich setze mir eine Frist, sonst lande ich in der nächsten Drehschleife. Danach die Verlag-Entscheidung.

Für die Familien-Saga: Runde 2. Konkret am Mittelteil und am Ende arbeiten. Figuren schärfen. Spannungsbogen straffen. Vielleicht schon diesen Sommer, auf einer Terrasse in der Provence selbst, das wäre passend.

Und beim Thema „wer wird es lesen", da lass ich mir Zeit. Vielleicht ist die Antwort: schreiben zuerst. Leserin finden später.

Ein Wort an dich

Wenn dir etwas davon bekannt vorkommt, das Schieben, das Warten auf Klarheit, die Frage nach der Leserin, dann weisst du: du bist nicht allein.

Das gehört dazu.

Und: Es geht trotzdem weiter.

Du hast eine Geschichte in dir, und sie will raus?

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