Die Motivationskurve jedes Erstbuchs
Was auf dem Weg zum fertigen Manuskript passiert, und durchhält.
Lesen10. Juni 2025 · ca. 8 Min. Lesezeit · von Carolyn Pini
Du hast dein Manuskript fertig. Jetzt stehst du vor der Frage, was damit geschehen soll. Drei Wege stehen offen, Verlag, Selfpublishing oder Hybrid. Keiner ist per se der „richtige". Aber einer passt besser zu deinem Buch und zu dir.
Du schickst ein Exposé und eine Leseprobe an einen Verlag, oder an eine Literaturagentur, die das für dich macht. Wenn der Verlag will, bekommst du einen Vertrag, Lektorat, Cover, Vertrieb, Marketing. Du bekommst einen Vorschuss (bei Erstautorinnen meist zwischen 2'000 und 8'000 CHF/Euro) und Tantiemen pro verkauftem Buch.
Pro:
Contra:
Für wen geeignet? Für Autorinnen, die Reichweite wichtiger als Tempo und Kontrolle finden, und für Bücher, die in ein klares Genre passen, in das ein Verlag schon erfolgreich publiziert hat.
Du verlegst selbst. Du bezahlst Lektorat, Cover und Satz aus deiner Tasche (oder machst einen Teil selbst). Du entscheidest alles: Titel, Gestaltung, Preis, Vertriebswege. Dein Buch ist auf Amazon, in Print-on-Demand-Diensten wie BoD, und/oder in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich.
Pro:
Contra:
Für wen geeignet? Für Autorinnen, die gerne selbst steuern und bereit sind, in Qualität zu investieren. Besonders gut für spezielle Nischen oder Themen, die grosse Verlage nicht bedienen, und für Autorinnen, die eine bestehende Community haben (Blog, Newsletter, Instagram), über die sie das Buch direkt anbieten können.
Der dritte Weg ist weniger bekannt: du arbeitest mit einem sogenannten Dienstleistungs-Verlag zusammen. Du bezahlst für die Produktion (Lektorat, Cover, Satz) und bekommst dafür einen Verlag als Herausgeber, mit ISBN, Katalogeintrag, teilweise Vertriebsanbindung.
Vorsicht: Dieses Modell hat einen zwielichtigen Ruf. Es gibt seriöse Anbieter, und es gibt Firmen, die gezielt Erstautorinnen abkassieren, ohne eine echte Gegenleistung zu liefern. Wenn du diesen Weg gehst, prüfe jede Offerte sehr genau.
Pro (wenn seriös):
Contra:
Für wen geeignet? Für Autorinnen, die die Infrastruktur schätzen, nicht in den klassischen Verlag reinkommen, aber auch kein reines Selfpublishing wollen. Und die die Zeit haben, sich sorgfältig Anbieter anzuschauen.
Bevor du dich auf einen Weg festlegst, beantworte dir diese drei Fragen ehrlich:
Schnell (2–6 Monate) → Selfpublishing
Mittel (6–12 Monate) → Hybrid
Egal wann, Hauptsache Verlag → klassisch
Alles selbst → Selfpublishing
Teilweise → Hybrid
Gar nicht, macht eh jemand → klassischer Verlag
Bereit, 2'000–5'000 CHF zu investieren → Selfpublishing oder Hybrid
Nichts investieren wollen → klassischer Verlag (aber keine Erfolgsgarantie)
Der häufigste Denkfehler bei Erstautorinnen: sie denken nur in zwei Kategorien, „Verlag" (= Erfolg) oder „Selfpublishing" (= weniger wertvoll). Das ist falsch. Selfpublishing kann sehr erfolgreich sein. Verlagsbücher sind oft wirtschaftliche Verluste.
Das echte Kriterium ist nicht Status, sondern Passung. Dein Buch ist ein Objekt mit bestimmten Eigenschaften. Einige passen besser zu Verlagen, einige besser zu Indie-Strukturen.
Wenn du dir nicht sicher bist, welcher Weg passt: versuche zuerst den Verlagsweg. Nicht weil er besser ist, sondern weil er dir nichts kostet ausser Zeit und Geduld. Wenn du nach 12–18 Monaten Ablehnungen hast (das ist normal), hast du nichts verloren, und kannst immer noch Selfpublishing machen.
Umgekehrt funktioniert es nicht: Ein Buch, das schon selfpublished wurde, nehmen Verlage fast nie mehr.
Im Paket „Mein erstes Buch" sprechen wir im letzten Monat explizit darüber, welcher Weg zu deinem Buch und zu dir passt. Ich teile mit dir auch meine Erfahrungen und Kontakte zu Lektorinnen, Cover-Design, Verlagen und mehr, damit du nicht bei Null anfangen musst.
Du bist am Ende deines Buchs?
Im Kennenlern-Gespräch schauen wir, wo du stehst und welcher Schritt als nächster Sinn macht.
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