5 Tipps für kreatives Schreiben
Fortgeschrittene Techniken, Reverse Storytelling & Co.
Lesen27. November 2020 · ca. 4 Min. Lesezeit · von Carolyn Pini
Kreatives Schreiben entsteht nicht durch Inspiration, sondern durch viel Schreiben. Auch, und gerade, das, was später in der Tonne landet. Jedes Stück für die Tonne bringt dich weiter. Die Devise lautet: Menge vor Qualität. Hier sind die fünf Gewohnheiten, die dein Handwerk tragen.
Immer. Papier oder Handy, egal. Inspiration kommt nicht im Büro. Sie kommt in der Strassenbahn, auf dem Marktplatz, in der Apotheke-Warteschlange.
Beobachte Menschen. Gesprächsfetzen. Details, die dir auffallen. Schreib alles auf. Du wirst 80 % davon nie brauchen. Die restlichen 20 % werden in deinen Geschichten zur Goldader.
Das trainiert auch deine Beobachtungsfähigkeit, die für jede Autorin essenziell ist. Du siehst anders, wenn du weisst, dass du es aufschreiben wirst.
Setz dich in ein Café. Trink einen Kaffee langsam. Hör zu, wie echte Menschen reden.
Du wirst merken: Echte Dialoge sind nicht so ordentlich wie die in Büchern. Menschen reden durcheinander, brechen Sätze ab, wiederholen sich, lachen in den falschen Momenten. Das ist das Material, das deine Dialoge lebendig macht.
Viele Erstautorinnen schreiben Dialoge, die zu glatt sind. Als würden ihre Figuren Skripten ablesen. Echte Menschen tun das nicht. Echte Zuhören hilft.
Beschreib nicht abstrakt. Beschreib in Szenen, mit allen Sinnen.
Schlecht: „Es war ein schöner Tag im Sommer."
Besser: „Der Fliederduft hing schwer in der Luft, und das Licht fiel in Streifen durch die Vorhänge."
Beim Schreiben immer fragen: Was sieht die Figur? Was hört sie? Was riecht sie? Was schmeckt sie? Was spürt sie? Diese fünf Sinne sind die Instrumente, mit denen du die Leserin in die Szene ziehst.
Wenn du das Ende deiner Geschichte kennst, kannst du den Anfang spannender gestalten. Warum? Weil du die Hinweise platzieren kannst, die rückblickend Sinn ergeben.
Autorinnen, die ohne klares Ende schreiben, schreiben oft ausgefranst. Sie kennen den Weg nicht, also zeigen sie ihn auch nicht. Die Leserin spürt das, und legt das Buch zur Seite.
Das Ende kann sich während dem Schreiben ändern. Aber dass du eines im Kopf hast, bevor du startest, ist Gold wert.
Täglich eine halbe Seite ist besser als einmal im Monat zehn Seiten. Der Grund: Schreiben ist Handwerk. Handwerk lernt man nur durch Wiederholung.
Such dir eine Zeit, die du verlässlich hinbekommst. Morgens vor der Arbeit, abends nach dem Abendessen, Samstagnachmittag. Egal wann, aber immer.
Am Anfang fühlt sich das erzwungen an. Nach zwei Monaten fehlt es dir, wenn du mal einen Tag aussetzt. So baut sich Schreibmuskel auf.
Viele denken: „Ich schreibe, wenn ich inspiriert bin." Das Ergebnis: Sie schreiben fast nie. Weil Inspiration ein scheues Tier ist, das nur dann kommt, wenn du schon am Arbeiten bist.
Die produktivsten Autorinnen schreiben routinemässig. Nicht, weil sie konstant inspiriert sind, sondern weil die Routine die Inspiration holt.
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