5 Tipps für deine Schreibroutine
Grundlagen-Tipps: Notizbuch, Dialoge abhören, Szenen-Denken.
Lesen19. Juni 2022 · ca. 5 Min. Lesezeit · von Carolyn Pini
Kreativität entsteht meist durch Beschränkung und dadurch, dass wir Probleme lösen müssen. Hier sind fünf Übungen, die dich aus deinen üblichen Bahnen holen. Kein esoterisches Brainstorming, konkrete Techniken, die du in zehn Minuten ausprobieren kannst.
Versuch, deine Geschichte am Ende zu beginnen. Arbeite dich tabellarisch rückwärts vor: Was passiert am Schluss? Was muss davor passieren, damit das funktioniert? Und davor? Und davor?
Diese Methode zwingt dich, die Kausalität deiner Geschichte neu zu denken. Sie deckt Logik-Lücken auf, die du vom Anfang her gar nicht gesehen hättest. Und sie liefert oft überraschende Verbindungen zwischen Szenen, die du sonst nicht verknüpft hättest.
Nimm zwei Charaktere aus völlig verschiedenen Geschichten, aus deinen eigenen älteren Entwürfen oder aus deinen Lieblingsbüchern, und lass sie mit deinen Figuren interagieren. Oder tausch eine deiner Figuren gegen eine fremde in einer Schlüsselszene aus. Wie verändert sich die Szene?
Das ist keine Plagiats-Übung. Du schreibst nichts davon. Es ist ein Spiel, das dir zeigt, wie deine Figur nicht ist, und damit, wie sie ist. Oft merkst du dabei, welche Qualitäten deiner Figur du noch nicht ausgespielt hast.
Sammle zufällige Gegenstände aus deiner Umgebung. Wähl einen aus. Schreib eine kurze Szene, in der dieser Gegenstand eine unerwartete Rolle spielt.
Eine alte Teekanne. Ein Schlüsselbund mit einem Schlüssel, den niemand zuordnen kann. Ein zerknittertes Foto. Aus solchen Objekten entstehen die spezifischsten Szenen. Warum? Weil du nicht aus deinem Kopf schreibst, sondern aus einem konkreten Ding heraus.
Wähl zwei zufällige Wörter oder Sätze, aus einem Buch, das du gerade neben dir hast, oder aus der Zeitung. Versuch, eine Szene zu schreiben, die beide enthält.
Diese Übung trainiert das, was Autorinnen „assoziatives Denken" nennen: die Fähigkeit, Ungleiches zusammenzubringen. Das ist eine Kernkompetenz für kreative Lösungen, wenn du in deinem Plot festhängst.
Wenn du eine Szene nicht in den Griff bekommst: Schreib sie aus der Perspektive eines unsichtbaren Beobachters. Jemand, der alles sieht, aber nicht eingreifen kann. Eine Staubflocke an der Wand. Ein Geist. Die Wetterjacke an der Garderobe.
Das zwingt dich in eine einzigartige Erzählstimme. Und wirft oft ethische oder moralische Fragen auf, die du vorher nicht gesehen hast. Manchmal ist die beste Lösung, die Szene dann nicht aus dieser Perspektive zu schreiben, aber die Übung hat dir gezeigt, was du eigentlich sagen willst.
Alle fünf Übungen haben eins gemeinsam: Sie setzen dich einer Beschränkung aus. Rückwärts statt vorwärts. Fremde Figur in deiner Szene. Zufälliges Objekt. Zwei willkürliche Wörter. Perspektive, die nicht handeln darf.
Kreativität entsteht selten, wenn du unbegrenzt viele Möglichkeiten hast. Sie entsteht, wenn du durch eine enge Tür musst, und dann Türen findest, die du vorher nicht gesehen hast.
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